Am 29. Oktober 2024 veränderte die DANA das Leben vieler Menschen in der Provinz Valencia. Menschen starben, Familien verloren Angehörige, Häuser wurden zerstört. Zwei Jahre später sind Straßen wieder befahrbar und viele Schäden behoben. Doch das bedeutet nicht, dass die Katastrophe für alle vorbei ist.
Der Jahrestag ist ein Anlass, an die Opfer zu erinnern. Und er wirft Fragen auf, die uns alle betreffen, die hier leben: Wie gut sind wir heute auf Hochwasser vorbereitet? Weiß ich, ob mein Zuhause gefährdet ist? Und verstehe ich eine Warnung auf meinem Handy, wenn sie auf Spanisch kommt?
Zwei Jahre danach: Die Angst bleibt
Für viele Menschen, die die DANA im Oktober 2024 selbst erlebt haben, bringen neue Starkregenwarnungen die Erinnerungen von damals zurück. Selbst dort, wo die sichtbaren Schäden inzwischen behoben sind, kann die Angst bleiben. Wer Angehörige verloren hat, lebt ohnehin mit einem Verlust, den kein Wiederaufbau ungeschehen macht.
Wie viel Unterstützung weiterhin gebraucht wird, zeigen Zahlen vom Oktober 2026: Spezialisierte Teams für psychische und psychosoziale Unterstützung haben seit der Flut rund 4.300 Betreuungsmaßnahmen durchgeführt, darunter Einzel- und Gruppenangebote. Ihre Arbeit in den betroffenen Gemeinden soll bis November 2027 fortgesetzt werden.
Auch das spanische Gesundheitsministerium untersucht in einer auf drei Jahre angelegten Studie, wie sich die DANA langfristig auf Angst, Depression und traumatische Belastungen auswirkt.
Wo bekommen Betroffene Hilfe? Wenn du die DANA selbst erlebt hast und dich seitdem Ängste, Schlafprobleme oder belastende Erinnerungen belasten, wende dich an dein örtliches Gesundheitszentrum (centro de salud). Dort kannst du nach psychologischer Unterstützung fragen. Auch bei deiner Gemeindeverwaltung kannst du dich nach Unterstützungsangeboten für DANA-Betroffene erkundigen.
Quellen: Valencia Plaza, 7. Oktober 2026 · Spanisches Gesundheitsministerium
Was hat sich beim Hochwasserschutz verändert?
Seit der Katastrophe wurden wichtige Änderungen angestoßen. Spanien hat im April 2026 neue Vorgaben für Hochwasserwarnungen und Notfallpläne beschlossen. Darin geht es zum Beispiel darum, wie Gefahren erkannt werden, welche Gemeinden eigene Einsatzpläne benötigen und wie Menschen rechtzeitig gewarnt werden sollen.
Das ist ein Fortschritt auf dem Papier – aber noch kein Beweis, dass jede Warnung rechtzeitig ankommt oder jedes gefährdete Gebiet bereits besser geschützt ist. Die praktische Umsetzung vor Ort bleibt entscheidend.
Auch die Hochwassergefahrenkarten der Comunidad Valenciana werden überarbeitet. Seit dem 16. Oktober liegen erste neue Kartenentwürfe für die 2024 betroffenen Gebiete öffentlich aus. Sie gehören zum regionalen Plan PATRICOVA. Die Karten sollen genauer zeigen, wo bei einer Überschwemmung Gefahr droht. Die Entwürfe sind noch nicht endgültig beschlossen.
Was bedeutet das, wenn ich ein Haus besitze oder kaufen möchte?
Eine Gefahrenkarte kann dir zeigen, ob für den Standort deiner Immobilie ein Hochwasserrisiko ausgewiesen ist. Das lohnt sich besonders vor einem Kauf oder Umbau – auch wenn das Haus beim letzten Hochwasser trocken geblieben ist.
Je nach Lage können zudem besondere Vorgaben für Neubauten oder Umbauten gelten. Ob du an einem bestimmten Grundstück bauen oder etwas verändern darfst, entscheidet sich nicht allein anhand der Farbe auf einer Karte. Dazu müssen auch die geltenden Vorschriften und die Auskunft der Gemeinde geprüft werden.
So liest du die Hochwasserkarte der Generalitat:
- Adresse suchen: Öffne den Kartenviewer der Generalitat Valenciana. Im Suchfeld „Busca topónimo, dirección o ref. catastral“ gibst du Straße, Hausnummer und Ort ein. Du kannst auch die referencia catastral (Katasterreferenz) verwenden, die etwa auf deinem IBI-Steuerbescheid steht. Wähle den Treffer und zoome zum Grundstück.
- Bei „Capas“ die richtige PATRICOVA-Gruppe wählen: Rechts findest du „Capas“ (Kartenebenen). Suche dort nach PATRICOVA. Es erscheinen zwei unterschiedliche Angebote:
- „PATRICOVA Zona DANA“: neue Kartenentwürfe für die von der DANA 2024 betroffenen Gebiete. Sie befinden sich seit Oktober 2026 in der öffentlichen Beteiligung und sind noch nicht endgültig genehmigt.
- „PATRICOVA – Plan de Acción Territorial de carácter sectorial sobre prevención del Riesgo de Inundación en Comunitat Valenciana“: die regulären Hochwassergefahrenkarten der Comunidad Valenciana. Wähle für die erste Prüfung diese zweite Gruppe.
- PATRICOVA einschalten und die Farben lesen: Setze das Häkchen vor der regulären PATRICOVA-Gruppe. Die darunterliegenden Kartenebenen werden automatisch aktiviert – du musst „Peligrosidad 1“ bis „Peligrosidad 6“ also nicht einzeln einschalten. Liegt die gesuchte Adresse in einer kartierten Gefahrenfläche, erscheint die entsprechende farbige Markierung auf der Karte. Öffne anschließend unten im rechten Bedienfeld „Capas activas“ (aktive Ebenen) und klicke auf die jeweiligen „Peligrosidad“-Einträge. Direkt darunter erscheint die „Leyenda“ (Legende), die erklärt, welche Farbe welcher Gefahrenstufe entspricht.
Was bedeuten die Gefahrenstufen? Die Stufen reichen von 1 (höchste Gefährdung) bis 6 (geringste der sechs ausgewiesenen Stufen). Bei Peligrosidad 1 wird mit vergleichsweise häufigen Hochwasserereignissen (statistische Wiederkehrzeit 25 Jahre) und einer möglichen Wassertiefe von mehr als 80 Zentimetern gerechnet. Die weiteren Stufen unterscheiden nach der Kombination aus Häufigkeit und Wassertiefe: 2 und 4 stehen für eine Wiederkehrzeit von 100 Jahren, 5 und 6 für 500 Jahre; bei 2 und 5 wird eine Wassertiefe über 80 Zentimetern zugrunde gelegt, bei 4 und 6 eine geringere. Stufe 3 beschreibt häufigere Ereignisse mit geringerer Wassertiefe. „Peligrosidad Geomorfológica“ weist auf Geländeformen hin, die auf mögliche Überschwemmungen schließen lassen. Die Jahreszahlen sind statistische Größen – kein fester Zeitplan für das nächste Hochwasser.
Was heißt das Ergebnis? Die Karte gibt dir eine erste Orientierung, aber keine Sicherheitsgarantie. Die neue „Zona DANA“-Kartierung kann andere Gefahrenflächen zeigen als die regulären Karten. Vor einem Kauf oder Umbau solltest du deshalb bei der Gemeinde klären, welche Gefährdung und welche Vorschriften für das konkrete Grundstück gelten. Auch eine nicht eingefärbte Fläche kann bei Hochwasser gefährdet sein.
Quellen: BOE: Neue Hochwasserschutz-Richtlinie, April 2026 · Architektenkammer der Comunidad Valenciana: PATRICOVA-Überarbeitung · BOE: geltende valencianische Übergangsregelungen · Generalitat: PATRICOVA-Gefahrenstufen
Für eine Immobilienentscheidung findest du weitere Orientierung in unserem Bereich Wohnen & Immobilien.
ES-Alert: Kommt die Warnung auch auf ein deutsches Handy?
Ja, grundsätzlich schon. Für Spaniens Handy-Warnsystem ES-Alert brauchst du weder eine spanische Telefonnummer noch eine besondere App. Auch ein Handy mit deutscher SIM-Karte kann die Nachricht empfangen, wenn es mit einem spanischen Mobilfunknetz verbunden und technisch kompatibel ist.
Entscheidend ist, wo du dich gerade befindest – nicht, wo du wohnst. Wer in Dénia lebt, sich aber während einer Warnung im betroffenen Gebiet bei Valencia aufhält, kann dort eine Meldung erhalten. ES-Alert wird über Mobilfunkantennen in einem Warngebiet verschickt. GPS und eine Internetverbindung sind dafür nicht nötig.
Das Handy muss allerdings eingeschaltet sein und passenden Mobilfunkempfang haben. Ältere Geräte können Einschränkungen haben. Keine Meldung erhalten zu haben, ist daher keine Garantie, dass keine Gefahr besteht.
Eine Wetterwarnung von AEMET ist übrigens nicht dasselbe wie ES-Alert: AEMET informiert über die Wettergefahr. Eine ES-Alert-Nachricht kann dir konkrete Anweisungen geben, was du in einem akuten Notfall tun sollst.
Was tun, wenn die Nachricht auf Spanisch oder Valencianisch kommt?
Verlasse dich nicht auf eine Warnung auf Deutsch. ES-Alert wird auf Spanisch und gegebenenfalls Valencianisch verschickt. Entscheidend ist, dass du den Warntext schnell verstehst und die Anweisung befolgst.
Am besten machst du ein Bildschirmfoto, bevor du die Meldung schließt. Dieses kannst du beispielsweise mit der Bildfunktion von Google Übersetzer übersetzen lassen. Beim iPhone helfen – auf unterstützten Geräten – die Funktionen Live Text und Übersetzen in der Fotos-App. Für valencianische Texte kann bei der Sprachauswahl „Katalanisch“ hilfreich sein.
Wenn du die Warnung schon weggeklickt hast, kannst du sie häufig noch finden:
- Android: meist unter Einstellungen → Sicherheit und Notfälle → Drahtlose Notfallwarnungen → Warnungsverlauf. Je nach Hersteller können die Menünamen abweichen.
- iPhone: in der Mitteilungszentrale, solange die Benachrichtigung noch vorhanden ist. Nach dem Löschen lässt sie sich normalerweise nicht mehr erneut öffnen.
Bei der Übersetzung können Internet und passende Sprachpakete erforderlich sein. Probiere die Übersetzungsfunktion deshalb am besten in Ruhe vor einer Notsituation aus. Bei einer klar verständlichen Schutzanweisung solltest du nicht erst auf eine Übersetzung warten.
Diese spanischen Begriffe solltest du kennen
- Confinamiento: im angegebenen sicheren Gebäude oder Innenbereich bleiben.
- Evacuación: das bezeichnete Gefahrengebiet nach behördlicher Anweisung verlassen.
- No se desplace: keine Wege oder Fahrten unternehmen.
- Zonas inundables: Gebiete, die überflutet werden können.
- Cauces y barrancos: Fluss- und Bachläufe sowie Schluchten, die bei Starkregen gefährlich werden können.
- Simulacro / prueba: eine Übung oder ein Test.
Lies immer die gesamte Warnung: Besonders Ort und Handlungsanweisung sind wichtig. Aktuelle Hinweise für unsere Region findest du bei 112 Comunitat Valenciana und deiner Gemeinde. Die Nummer 112 ist für akute Notfälle da, nicht für allgemeine Übersetzungsfragen.
Quellen: Spanische Protección Civil: ES-Alert · Google: Text in Bildern übersetzen · Apple: Text in Fotos erkennen und übersetzen
Regierungen raten verstärkt zu Notvorräten
Auffällig ist, dass in jüngster Zeit immer mehr Regierungen ihre Bevölkerung ausdrücklich dazu aufrufen, sich auf Krisen und mögliche Versorgungsausfälle vorzubereiten. Viele dieser Empfehlungen sollen helfen, dass Haushalte bei Strom-, Wasser- oder Kommunikationsausfällen zunächst selbst handlungsfähig bleiben.
Großbritannien hat am 22. Oktober 2026 eine neue dreijährige Kampagne gestartet. Sie soll Haushalte darauf vorbereiten, dass Strom, Wasser, Telefon oder Internet vorübergehend ausfallen können. Als Orientierung nennt die Regierung drei Tage Eigenversorgung.
Auch aus Japan kommt eine neue Ankündigung: Für den 2. November ist ein weiterer öffentlicher Vorsorgeaufruf geplant. Dort wird schon länger empfohlen, Vorräte für mindestens drei Tage, möglichst eine Woche zu haben. Hintergrund sind vor allem Erdbeben und andere Naturgefahren.
In den USA stellte das Verteidigungsministerium Ende September das Programm „Fortress America“ vor. Militärstandorte sollen damit unter anderem bei Stromausfällen, Cyberangriffen oder unterbrochenen Lieferketten widerstandsfähiger werden. Das ist keine Vorratskampagne für Privathaushalte, zeigt aber, dass auch die Widerstandsfähigkeit staatlicher Infrastruktur stärker in den Blick rückt.
Schweden hat seine Vorsorgeinformationen bereits 2024 erneuert, die Niederlande haben 2025 Informationsmaterial an Haushalte verteilt. Die EU verfolgt seit März 2025 das Ziel, die Bevölkerung besser auf mindestens 72 Stunden Eigenversorgung vorzubereiten. Dabei geht es nicht nur um Unwetter, sondern beispielsweise auch um Cyberangriffe und Störungen wichtiger Infrastruktur.
Diese Empfehlungen sollten wir ernst nehmen – auch hier in Spanien, wo wir erlebt haben, wie schnell gewohnte Versorgung ausfallen kann.
Wie man sich sinnvoll vorbereitet, haben wir bereits mit dem Krisenvorsorge-Experten Herbert Saurugg besprochen. Im Klartext-Gespräch auf YouTube geht es um Vorräte, Kommunikation und darum, auch bei einem Ausfall handlungsfähig zu bleiben. Ergänzend gibt es unseren Beitrag zur Krisenvorsorge in Spanien.
Quellen: Britische Regierung: Be Ready, 22. Oktober 2026 · EU-Kommission: Vorsorgestrategie 2025 · Japanisches Kabinettsamt: Pressekonferenz vom 20. Oktober 2026 · Schwedische Regierung: zivile Vorsorge · US Army: Programm „Fortress America“, 2. Oktober 2026
Was wir aus der DANA mitnehmen können
Zwei Jahre nach der Flut lässt sich nicht pauschal sagen, ob wir heute sicherer sind. Neue Regeln und überarbeitete Karten sind wichtige Schritte. Ihr Wert zeigt sich aber erst, wenn Warnungen rechtzeitig ankommen und Schutzmaßnahmen vor Ort greifen.
Auch für uns selbst gibt es konkrete Möglichkeiten: Prüfe, welche Gefahren an deinem Wohnort bestehen, und mache dich mit den Warnmeldungen vertraut. Besprich mit deiner Familie, was ihr bei einer Evakuierung tun würdet und wie ihr einen Strom-, Wasser- oder Internetausfall überbrückt. Wasser, notwendige Medikamente, Taschenlampen, Kommunikationsmöglichkeiten und wichtige Telefonnummern gehören zur Vorbereitung.
Keine Vorsorge kann jede Gefahr ausschließen oder alle Ängste nehmen. Sie hilft aber, bei einer Warnung schneller und überlegter zu handeln, statt unter Zeitdruck nach Lösungen zu suchen. So kannst du dich und andere besser schützen.
Bei allen Überlegungen zur Zukunft dürfen die Menschen nicht aus dem Blick geraten, die bis heute mit den Folgen der Flut leben.
Redaktionsstand: 29. Oktober 2026. Neue Gefahrenkarten befinden sich noch in Bearbeitung; angekündigte Kampagnen können ihren Stand ändern. Für akute Warnlagen gelten immer die aktuellen Hinweise der zuständigen Behörden.