Ein Haus mit Meerblick, sonnige Terrassen, vielleicht mehrere Ebenen am Hang: Was beim Immobilienkauf an der Costa Blanca begeistert, kann später den Alltag erschweren. Im Valencia-Klartext-Gespräch berichtet Immobilienberater Michael Planck von einem beinahe gekippten Rollstuhl, einem großzügigen Neubau mit überraschend enger Treppe und einer Entscheidung, die bei einer Renovierung wenig zusätzlich kosten kann – später aber viel ausmacht.

Sein Grundgedanke: Nicht vorsorglich das ganze Haus umbauen, sondern bei ohnehin geplanten Veränderungen die spätere Nutzbarkeit mitdenken. Das gilt für Menschen, die älter werden, ebenso wie für Alleinlebende oder Personen mit längerfristigen Bewegungseinschränkungen.

Das Wichtigste auf einen Blick

Entscheidend sind nicht nur Stufen und Türbreiten. Auch die Lage der Immobilie, freie Wege im Haus, verlässliche Hilfe im Notfall und die tatsächlichen Folgekosten können darüber bestimmen, ob selbstständiges Wohnen langfristig möglich bleibt.

Das vollständige Klartext-Gespräch

Michael Planck spricht mit Daniela Schlicht über die Besonderheiten von Immobilien an der Costa Blanca, altersgerechte Wohnraumanpassungen, praktische Lösungen und die Grenzen eines Umbaus.

Gesprächspartner: Michael Planck · Gesprächsführung: Daniela Schlicht · Gespräch direkt auf YouTube ansehen ↗

Der Meerblick hat manchmal einen versteckten Preis

Eine Besonderheit vieler von internationalen Käufern bevorzugter Wohnlagen sieht Planck in den Hanggrundstücken. Wer Aussicht und Meerblick sucht, landet oft in Häusern mit mehreren Ebenen. Dort können nicht nur Treppen im Haus, sondern schon die Höhenunterschiede zwischen Straße und Eingang zur Hürde werden. Das sei eine Erfahrung aus seiner Arbeit vor Ort, keine allgemeine Aussage über sämtliche Immobilien an der Costa Blanca.

Ein zweiter Punkt lässt sich baulich überhaupt nicht lösen: die Abhängigkeit vom Auto. Planck beobachtet in manchen Urbanisationen, dass der Weg zum Supermarkt, zur Apotheke oder zum Arzt ohne eigenes Fahrzeug schwierig wird. Was beim Kauf kaum ins Gewicht fällt, kann bei veränderten Lebensumständen entscheidend sein.

Aus dem Klartext-Gespräch · Regionale Praxiserfahrung

Ein schönes Haus – aber ohne Auto kaum Alltag?

Planck rät, vor dem Kauf nicht nur auf Aussicht und Grundriss zu schauen. Ebenso wichtig ist die Frage, ob sich Einkäufe, Arztbesuche und notwendige Wege später ohne ständige Autofahrten bewältigen lassen.

Warum eine Rampe nicht automatisch sicher ist

Besonders anschaulich wird das an einem Erlebnis aus Plancks Praxis: Bei einem Haus sah er eine Rampe, die gut aussah, aber zu steil angelegt war. Ein Rollstuhlfahrer versuchte, sie selbstständig hinaufzufahren, und kippte dabei beinahe nach hinten.

„Rampe ist nicht Rampe.“

Mit diesem Satz fasst Planck das Problem zusammen. Eine vorhandene Rampe sagt noch nichts darüber aus, ob sie unter den konkreten Bedingungen gefahrlos und selbstständig genutzt werden kann. Auch bei einer bodengleichen Dusche reicht es nicht, die Schwelle zu beseitigen: Der Weg dorthin und der nutzbare Raum müssen ebenfalls passen.

Besonders bei größeren Anpassungen sollte daher nicht nur die gewünschte Lösung, sondern die tatsächliche Nutzung durch die betreffende Person geprüft werden – gegebenenfalls mit geeigneten Fachleuten.

Die unterschätzte Entscheidung: 80 oder 100 Zentimeter?

Wer ohnehin eine Tür erneuert, kann laut Planck schon mit der Durchgangsbreite für die Zukunft vorsorgen. Er nennt im Gespräch den Unterschied zwischen etwa 70 bis 80 Zentimetern und einer breiteren Ausführung mit 90 Zentimetern bis zu einem Meter – oder alternativ einer Schiebetür. Bei einer ohnehin geplanten Veränderung könne der zusätzliche Aufwand vergleichsweise gering sein; wie groß er im Einzelfall ausfällt, hängt vom Bauvorhaben ab.

Er schildert einen besonders auffälligen Fall: ein neu gebautes Haus mit rund 300 Quadratmetern, dessen Treppe so eng war, dass eine zweite Person kaum daneben Platz fand und nach seiner Einschätzung ein späterer Treppenlift nicht sinnvoll einbaubar gewesen wäre. Viel Wohnfläche bedeutet also nicht automatisch, dass die entscheidenden Wege großzügig geplant wurden.

Ähnlich ist es beim Badezimmer: Mehr Bewegungsfläche kann später wichtig werden, wenn eine Person Unterstützung benötigt. Planck nennt außerdem die Möglichkeit, geeignete Stellen in der Wand schon bei einer Renovierung so vorzubereiten, dass Haltegriffe später leichter befestigt werden können.

Was sich ohne großen Umbau verbessern lässt

Seine unmittelbar umsetzbaren Hinweise sind unspektakulär – und genau deshalb praktisch. Planck verweist auf Teppiche, die bei unsicherem Gang zur Stolperfalle werden können, auf zugestellte Wege zwischen Schlafzimmer, Badezimmer und Küche und auf eine Beleuchtung, die nachts Orientierung ermöglicht, ohne stark zu blenden.

Ein sinnvoller erster Blick gilt daher den Wegen, die man täglich benutzt: Muss man Möbeln ausweichen? Ist der Weg zum Bad im Dunkeln gut erkennbar? Gibt es Gegenstände, an denen man hängen bleiben könnte? Nicht jeder Teppich muss grundsätzlich verschwinden; entscheidend sind die konkrete Situation und die sichere Nutzung.

Allein zu Hause: Wer hilft nach einem Sturz?

Im Gespräch stellt Valencia Klartext eine Situation vor, die nicht nur ältere Menschen betrifft: Jemand stürzt zu Hause, kann nicht aufstehen und erreicht das Telefon nicht. Plancks erste Empfehlung beginnt nicht mit einer App. Er hält regelmäßigen Kontakt zu Nachbarn, Angehörigen oder anderen Vertrauenspersonen für wichtig – etwa eine vereinbarte kurze Rückmeldung, wenn ein erhöhtes Risiko besteht.

Hinzu kommen technische Angebote wie tragbare Notruftasten, Sturzerkennung oder Lösungen, die den Zugang für Helfer erleichtern können. Planck weist allerdings darauf hin, dass automatische Erkennungssysteme nicht immer zuverlässig auslösen. Im Einzelfall ist deshalb zu klären, wer den Alarm erhält, wer tatsächlich reagiert und wie Hilfe in die Wohnung gelangt. Ein Gerät allein ist noch keine vollständige Notfallorganisation.

Demenz: Vertrautes bewahren statt alles auf einmal verändern

Bei Demenz zieht Planck eine klare fachliche Grenze: Er bezeichnet sich nicht als spezialisierten Demenzberater und arbeitet bei solchen Fällen nach eigenen Angaben mit entsprechend erfahrenen Fachpersonen zusammen. Als wichtige Gesichtspunkte nennt er möglichst behutsame Veränderungen, eine gut erkennbare Umgebung sowie die Wirkung von Licht, Farben und Mustern.

Das spanische CRE Alzheimer des Imserso empfiehlt ebenfalls, die Wohnumgebung an die individuellen Fähigkeiten anzupassen und Veränderungen möglichst schrittweise vorzunehmen. Welche Maßnahmen helfen, muss je nach Person und Krankheitsverlauf fachlich beurteilt werden. Die bauliche Gestaltung ersetzt keine medizinische oder pflegerische Betreuung.

Technik soll helfen – nicht überfordern

Auch bei Smart Home und Assistenzsystemen plädiert Planck für Zurückhaltung. Automatische Beleuchtung, elektrische Rollläden oder technische Notrufmöglichkeiten können sinnvoll sein. Werden für einfache Handgriffe allerdings mehrere Apps und komplizierte Bedienabläufe nötig, geht der Nutzen möglicherweise verloren.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, was technisch alles möglich ist, sondern welche Lösung die betreffende Person verlässlich bedienen und dauerhaft nutzen kann.

Was ein Umbau kosten kann – und worauf es beim Angebot ankommt

Für einen Badumbau nennt Planck im Gespräch eine sehr breite Größenordnung von etwa 2.000 bis 15.000 Euro. Dabei handelt es sich ausdrücklich um seine beispielhafte Praxiseinschätzung – nicht um einen allgemeinen Preisstandard für die Costa Blanca. Material, Umfang, Leitungen und bauliche Voraussetzungen unterscheiden sich von Objekt zu Objekt.

Besonders ins Geld gehen können Arbeiten, die bei einer ersten Besichtigung kaum sichtbar sind: alte Elektro- und Wasserleitungen, Abwasseranschlüsse oder die Erweiterung eines zu kleinen Badezimmers. Planck empfiehlt, Kostenvoranschläge deshalb auch daraufhin zu prüfen, welche Eventualitäten ausdrücklich enthalten sind und welche nicht.

Vor der Beauftragung prüfen

Drei Fragen, die Geld und Überraschungen sparen können

01 Was ist im Angebot enthalten?

Leistungen, Materialien, Entsorgung und mögliche Zusatzarbeiten getrennt betrachten – besonders bei Leitungen und baulichen Änderungen.

02 Ist die Lösung praktisch nutzbar?

Nicht nur eine Rampe, Dusche oder Tür bestellen, sondern Zugänge, Platz und den tatsächlichen Unterstützungsbedarf mitprüfen.

03 Welche Unterlagen braucht die Gemeinde?

Vor Baubeginn beim zuständigen Rathaus beziehungsweise mit einem qualifizierten Planer klären, ob eine declaración responsable (verantwortliche Erklärung) oder eine Genehmigung und weitere Nachweise notwendig sind.

Für Baumaßnahmen in der Comunidad Valenciana hängen die konkreten Anforderungen von Art und Ort des Vorhabens ab. Eine pauschale Aussage wie „Innenumbauten muss man nur melden“ wäre deshalb zu weitgehend. Die Valencianisches Städtebaurecht – konsolidierter Gesetzestext (BOE) erläutert beispielhaft, wie sich Genehmigung und declaración responsable unterscheiden können. Maßgeblich sind die jeweils gültigen Vorschriften und die zuständige Gemeinde.

Umbauen oder umziehen? Die Entscheidung beginnt nicht erst bei den Baukosten

Am Ende bleibt eine unbequeme Frage: Lohnt es sich noch, in ein Haus zu investieren, wenn künftig vielleicht nur eine von drei Ebenen nutzbar ist? Planck nennt solche Hanghäuser als Beispiele, bei denen die bauliche Anpassung irgendwann unverhältnismäßig werden kann.

Dann spielen nicht nur Kosten eine Rolle. Eine ebenerdige Wohnung in einer Stadt kann den Alltag erleichtern, wenn Supermarkt, Arzt und weitere Anlaufstellen zu Fuß erreichbar sind. Gleichzeitig betont Planck, wie viel Menschen ihr vertrautes Zuhause bedeutet. Eine Entscheidung sollte deshalb die persönlichen Wünsche ebenso berücksichtigen wie Nutzbarkeit, Unterstützung und finanziellen Aufwand.

Der wichtigste Gedanke aus dem Gespräch

Man muss nicht heute alles für einen möglichen späteren Bedarf umbauen. Aber wer ohnehin kauft, neu baut oder renoviert, sollte sich fragen: Was lässt sich jetzt ohne großen zusätzlichen Aufwand so planen, dass das Zuhause auch später noch funktioniert?

Aus dem Expertennetzwerk

Michael Planck

Michael Planck arbeitet als Immobilienberater an der Costa Blanca. Im Klartext-Gespräch berichtet er über die Anpassung von Wohnraum an veränderte Lebensumstände, über Wohnraum-Checks und die Planung von Umbauten. Sein beruflicher Hintergrund umfasst Tätigkeiten als Immobilienmakler in Deutschland und Spanien sowie im Bau- und Beratungsbereich.

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