Wenn es Ihnen ähnlich geht, lohnen sich jetzt ein paar Minuten. Nicht wegen der Wallet selbst. Wegen zwei Dingen, die viele erst im Januar merken werden — und wegen einer guten Nachricht, die kaum jemand kennt.
Was im Dezember und Januar passiert
Die EU hat festgelegt, dass alle Mitgliedsstaaten bis zum 24. Dezember 2026 eine digitale Brieftasche für ihre Bürgerinnen und Bürger bereitstellen müssen, kostenlos. Das steht in der Verordnung (EU) 2024/1183. Deutschland startet seine Wallet am 2. Januar 2027. Spanien geht zunächst einen anderen Weg und hat MiDNI eingeführt, den spanischen Personalausweis fürs Handy.
Zwei Länder, zwei Systeme. Und wir sitzen dazwischen.
MiDNI ist nicht für uns
MiDNI klingt praktisch — der DNI auf dem Telefon, vorzeigbar wie ein Ausweis. Nur schreibt das Innenministerium in seiner eigenen Mitteilung, dass die Anwendung in der ersten Phase der acreditación presencial de ciudadanos españoles dient, dem Vorzeigen durch spanische Staatsbürger. Vorausgesetzt wird ein gültiger spanischer DNI mit aktiven elektronischen Zertifikaten.
Wer als Deutscher hier lebt, hat in aller Regel eine NIE, keinen DNI. Damit fällt MiDNI vorerst weg. Was bleibt, kennen Sie wahrscheinlich: Cl@ve und das Certificado Digital der FNMT. Beides funktioniert mit NIE, beides setzt aber eine persönliche Identitätsprüfung voraus — bei der Agencia Tributaria, der Seguridad Social oder in manchen Rathäusern.
Die gute Nachricht: Ihr deutscher Ausweis funktioniert hier schon
Und jetzt kommt der Teil, den kaum jemand kennt. Die Online-Ausweisfunktion Ihres deutschen Personalausweises — die sogenannte eID — lässt sich in Spanien bereits nutzen. Überall dort, wo die Option eID.AS EU angeboten wird, können Sie sich damit ausweisen. Die deutschen Vertretungen in Spanien nennen als Beispiel ausdrücklich die App Mi Carpeta Ciudadana, über die spanische Verwaltungsvorgänge laufen.
Das ist die europäische gegenseitige Anerkennung, und sie funktioniert heute schon. Sie brauchen für spanische Behördengänge also nicht zwingend ein spanisches Identifikationsmittel — Ihr deutscher Ausweis tut es auch. Vorausgesetzt, Sie haben einen, und vorausgesetzt, die Funktion ist eingeschaltet.
Genau da liegt der Haken, und zwar bei vielen von uns.
Erstens: Der Reisepass ersetzt den Personalausweis hier nicht
Viele haben nach dem Umzug nur den Reisepass verlängert. Logisch — zum Reisen braucht man ihn, der Personalausweis lag irgendwann abgelaufen in der Schublade.
Nur: Der Chip im Reisepass enthält die Passdaten, das biometrische Lichtbild und zwei Fingerabdrücke. Er ist für die Grenzkontrolle gebaut, nicht fürs Internet, und hat keine Online-Ausweisfunktion. Dass die eID am Personalausweis hängt, sieht man auch daran, dass es für EU-Bürger ohne deutschen Personalausweis eigens eine separate eID-Karte gibt.
Wer also nur mit Reisepass hier lebt, braucht zuerst wieder einen gültigen Personalausweis — für die Wallet im Januar ebenso wie für Mi Carpeta Ciudadana heute.
Zweitens: Adresse und PIN
Wenn Sie in Deutschland nicht mehr gemeldet sind, haben Sie beim Personalausweis zwei Möglichkeiten: Ihre spanische Anschrift eintragen lassen, wofür Sie einen aktuellen Wohnsitznachweis brauchen — in der Regel den Empadronamiento — oder eintragen lassen, dass keine Wohnung in Deutschland besteht.
Das Auswärtige Amt weist darauf hin, dass die Nutzung der eID eingeschränkt sein kann, wenn keine deutsche Wohnung angegeben ist, weil eine ladungsfähige Anschrift vorausgesetzt wird. Die spanische Adresse eintragen zu lassen ist also keine Formsache.
Und dann ist da die PIN. Die eID braucht eine sechsstellige PIN. Wer sie vergessen hat oder die Funktion nachträglich einschalten will, muss persönlich erscheinen. Den PIN-Rücksetzbrief, den man in Deutschland bequem online bestellen kann, gibt es fürs Ausland nicht — der Dienst wird dort ausdrücklich nur für deutsche Meldeadressen angeboten.
Was Sie jetzt tun können
Drei Dinge, zusammen vielleicht eine Stunde:
Nachsehen, ob Sie einen gültigen Personalausweis haben
Nicht den Reisepass — den Personalausweis. Wenn er abgelaufen ist oder nie ersetzt wurde, beantragen Sie ihn bei der zuständigen Vertretung. Das dauert mehrere Wochen, also lieber jetzt als im Januar.
Die Anschrift prüfen
Steht Ihre spanische Adresse auf dem Ausweis, oder steht dort, dass Sie keine Wohnung in Deutschland haben? Falls nötig, lassen Sie die Adresse nachtragen.
Die PIN finden
Der Brief kam seinerzeit per Post, mit einem fünfstelligen Transport-PIN. Wer ihn nicht mehr hat oder die PIN vergessen hat, braucht einen Termin. Je früher, desto entspannter.
Und wozu das Ganze?
Man kann sich fragen, wofür man das braucht. Eine berechtigte Frage, und ich will sie nicht schönreden: Im Moment gibt es wenig, was man mit einer digitalen Brieftasche tun kann und ohne sie nicht könnte.
Das ändert sich allerdings schneller, als die meisten erwarten. Banken, Versicherungen, Behörden und Plattformen bereiten sich gerade darauf vor, Identitätsnachweise digital entgegenzunehmen. Spätestens wenn die Altersprüfung im Netz verpflichtend wird — Österreich macht 2027 den Anfang — wird die Frage praktisch.
Für uns, die wir zwischen zwei Verwaltungen leben, stellt sie sich ohnehin anders als für jemanden in Düsseldorf: nicht ob ich eine digitale Identität nutze, sondern welche von beiden mir in welcher Situation offensteht. Die erfreuliche Antwort lautet im Moment: die deutsche, und sie funktioniert hier schon. Den Personalausweis würde ich an Ihrer Stelle trotzdem schon mal aus der Schublade holen.